Worte zur Neueröffnung des Stadtmuseums Bludenz

Andreas Rudigier,
14. Juni 2022

Ein Plädoyer für ein gutes Museum

Geschätzte Damen und Herren, ich bin gerne in Bludenz. Wer kann schon von sich behaupten, mehr als 100.000 Kilometer mit dem Bus zurückgelegt zu haben, um hier seine oder einen wesentlichen Teil seiner Schulbildung erhalten zu haben und – was mindestens so wichtig ist – hier Freunde fürs Leben gefunden zu haben. Danke für die Einladung und ich möchte Sie auch alle ganz herzlich begrüßen.

Sie gestatten, dass ich meine einführenden Worte, die ein Plädoyer für das Museum als solches und vor allem für ein gutes Museum werden sollen, mit einem Zitat von vor 100 Jahren beginne. Der bekannte Bludenzer Heimatforscher Alfons Leuprecht meinte anlässlich der Eröffnung des Bludenzer Stadtmuseums im Jahr 1922, ich zitiere: „Wir müssen unsere Heimat bewahren vor der Zerstörung des Alten und vor dem Eindringen des schlechten Neuen. Erhaltend im guten Sinne wollen wir wirken. Was wir in Sitte, Bauweise, Tracht und Handwerkskunst Gutes und Schönes von unseren Vätern geerbt haben, das wollen wir schützen und bewahren.“ [Zitatende]

Die Eröffnung des Bludenzer Stadtmuseums fällt in die zweite Gründungswelle von Museen in Vorarlberg. Die erste Welle ist wohl mit den Museen in Egg, Bregenz und Schruns zwischen 1904 und 1906 definiert. Wie der Text von Alfons Leuprecht erahnen lässt beziehungsweise eigentlich deutlich zeigt, ist auch das Bludenzer Museum Ausdruck der seit dem späten 19. Jahrhundert in Vorarlberg nachweisbaren Heimatschutzbewegung, die wohl vereinfacht gesagt als Gegenbewegung zu den Auswirkungen der stark im Ausbau befindlichen Industrie wie auch des aufkommenden Fremdenverkehrs zu sehen war. Kurios mutet es am Ende natürlich an, wenn viele der Proponenten der Museums- und Heimatschutzbewegung genau aus diesen industriellen beziehungsweise touristischen Kreisen kamen.

Die Geschichte des Bludenzer Stadtmuseums ist, wie wir hier alle wissen, kein Ruhmesblatt. Es lag wohl in erster Linie an der 1947 erfolgten Auflösung des Museumsvereins, der zur Folge hatte, dass nunmehr die Stadt für das Museum verantwortlich war. Die Stadt war nicht in der Lage, das Museum zu führen und die Schließung des Museums während einiger Zeit in den 1960er Jahren war wohl der niederschmetterndste Beleg dieser Feststellung. 2002 hatte der Geschichtsverein Region Bludenz das Museum zum Thema gemacht und mit einem attraktiven Programm zur damals neu eingeführten ORF-Langen Nacht der Museen an einem Abend für mehr Publikum gesorgt, als das Museum ansonsten während eines ganzen Jahres aufweisen konnte.

Die Geschichten und Anekdoten, die wir vom damaligen Museum hörten, beschreiben eine Zeit, die scheinbar einmal charakteristisch für viele dieser Einrichtungen war und die noch immer ein wenig das Denken der Gesellschaft von dieser Form der Geschichtsbewahrung bestimmt. Ein Beispiel, das mir damals vor 20 Jahren erzählt wurde, ist jenes, wonach ein Besucher beim Betreten des Stadtmuseums den diensthabenden Aufpasser schlafend vorfand … als er das Museum wieder verließ, hatte sich an dessen Zustand nichts geändert. Aber ich muss hier gar nicht auf den Bludenzern herumtreten. Vom Landesmuseum gab es die immer wieder erzählte Geschichte, dass dort im alten Museum beim beabsichtigten Besuch an der Tür geklingelt werden musste. Das dortige Besucherservice, so würde man heute sagen, soll sich beim Gang zur Tür bewusst viel Zeit gelassen haben, damit der potenzielle Besuch und Ruhestörer die gute Gelegenheit bekam, wieder unverrichteter Dinge abziehen zu können.